“Schreiben” vs. “Überarbeiten”: Warum du die Phasen bewusst trennen solltest
Eine Unterscheidung der beiden Phasen Schreiben und Überarbeiten ist Teil von jedem Schreibprozessmodell, gehört zum Basiswissen einer jeden Schreibberaterin und auch so gut wie allen Promovierenden ist klar, dass sich der wissenschaftliche Schreibprozess in verschiedene Phasen gliedert und dass erst eine Schreib- und danach eine Überarbeitungsphase kommt.
Alles ziemlich simpel also.😉
Aber obwohl dieses Wissen so verbreitet ist, stelle ich in Workshops und meinen 1:1-Beratungen immer wieder fest, dass vielen doch nicht so richtig bewusst ist, warum diese Trennung in Schreibphase und Überarbeitungsphase überhaupt sinnvoll ist, und was das konkret für die Arbeit am eigenen Promotionsprojekt bedeuten kann.
In diesem Blogartikel geht es deshalb back to basics!
Du erfährst zum einen, warum es wirklich eine gute Idee ist, Schreiben und Überarbeiten bewusst zu trennen. Und zum anderen, wie eine solche Trennung konkret im eigenen Schreibprozess aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Warum du “Schreiben” und “Überarbeiten” trennen solltest
1.1 Anforderungen in der Schreibphase
1.2 Anforderungen in der Überarbeitungsphase
2 Was passieren kann, wenn du die Phasen nicht trennst
3.2 Konkretes Vorgehen in der Schreibphase
4 Der Übergang: Von der Schreibphase in die Überarbeitungsphase
5 Die Überarbeitungsphase gestalten
5.1 Zuallererst: Abstand gewinnen
5.2 Das Überarbeitungsphasen-Mindset
1 Warum du “Schreiben” und “Überarbeiten” trennen solltest
Warum ist es nicht nur Teil verschiedener Schreibprozessmodelle, sondern auch wirklich eine gute Idee, die Schreibphase von der Überarbeitungsphase bewusst zu trennen?
Der springende Punkt ist folgender: Schreiben – und damit meine ich Rohfassung schreiben bzw. eine erste Version schreiben – und Überarbeiten sind mit ziemlich gegensätzlichen Anforderungen verbunden.
Im Folgenden gehe ich auf diese unterschiedlichen Anforderungen in den beiden Phasen ein.
1.1 Anforderungen in der Schreibphase
👉Fokus auf Inhalte
Wenn wir eine Rohfassung schreiben, dann liegt der Fokus ganz auf unseren Inhalten.
Zuvor hast du den Forschungsstand aufgearbeitet, hast wahrscheinlich sehr viel gelesen, hast deine eigene Forschung durchgeführt, hast dir Notizen gemacht und nun geht es darum, die Inhalte, die für deinen wissenschaftlichen Text wichtig sind, aufzuschreiben.
Das Aufschreiben deiner Inhalte ist die zentrale Aufgabe in der Schreibphase.
👉Eng mit dem Text verbunden
Beim Aufschreiben unserer Inhalte sind wir ganz automatisch eng mit unserem Text verbunden.
Wir erleben sozusagen gedanklich die Dinge, die wir aufschreiben, denn während wir schreiben, “durchdenken” wir unsere Inhalte. Indem wir unsere Inhalte in Worte fassen, indem wir Worte suchen für unsere Inhalte, indem wir sie ausformulieren, sind wir mit unseren Gedanken mittendrin im Text.
👉Schreiber*inorientierter Text
Das, was wir in dieser Phase produzieren, wird auch schreiber*inorientierter Text genannt.
Wir schreiben das auf, was wir zu sagen haben. Wir schreiben auf, was wir inhaltlich für zentral halten. Der Text, der dabei entsteht, orientiert sich damit stark an uns als Schreiber*in.
👉Zunächst unkritisch sein
Während wir an unserer Rohfassung arbeiten, ist es hilfreich, zunächst unkritisch zu sein. Denn beim Aufschreiben der Inhalte muss man manchmal ein bisschen was ausprobieren:
Gedanken ausprobieren,
Strukturen im Text ausprobieren,
ausprobieren, wie sich der rote Faden am besten entfalten kann,
ausprobieren, wie die Inhalte logisch aufeinander aufbauen können,
Aussagen ausprobieren,
…
Einfach mal aufschreiben und ausprobieren, ob das so funktionieren könnte.
Dieses Ausprobieren ist ein ziemlich kreativer Prozess. Und für diesen kreativen Prozess ist es hilfreich, wenn man in dieser Phase zunächst mal ganz unkritisch an den eigenen Text geht und sich nicht so viele Gedanken darüber macht, was vielleicht andere davon denken könnten. Sondern hilfreich ist es, wenn man erstmal bei sich als Schreiber*in bleibt und anerkennt, dass das jetzt gerade “nur” ein Ausprobieren ist.
Es ist noch nichts in Stein gemeißelt, man kann ruhig zunächst unkritisch sein und mutig ausprobieren.
1.2 Anforderungen in der Überarbeitungsphase
Wenn man dann allerdings irgendwann nicht mehr in der Schreibphase ist, sondern in der Überarbeitungsphase, dann sind die Anforderungen völlig andere.
👉Fokus auf Vermittlung der Inhalte
Während in der Schreibphase der Fokus auf den eigenen Inhalten liegt, liegt der Fokus in der Überarbeitungsphase auf der Vermittlung dieser Inhalte. Wir stellen uns also nicht mehr die Frage “was habe ich zu sagen?”, sondern eher “wie kann ich meine Inhalte möglichst gut anderen präsentieren?”.
👉Adressatenorientierter Text
Wir arbeiten also daran, unseren Text von einem schreiber*inorientierten Text in einen adressatenorientierten Text zu verwandeln. Der Text soll nun auf die zukünftigen Leserinnen und Leser vorbereitet werden.
👉Distanz zum Text
Um die Vermittlung der Inhalte in den Blick nehmen zu können, müssen wir in der Überarbeitungsphase eine andere Perspektive einnehmen als in der Schreibphase. Wir brauchen dafür eine gewisse Distanz zum Text.
Wir sollten nun nicht mehr – wie in der Schreibphase – selbst ganz tief drin stecken und eng mit dem Text verbunden sein. Stattdessen brauchen wir Abstand zum Text, um Fehler, inhaltliche Lücken, gedankliche Sprünge usw. erkennen zu können.
👉Kritischer Blick
Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft die Art und Weise, wie wir auf unseren Text blicken. Während wir beim Schreiben der Rohfassung zunächst unkritisch sein sollten, damit wir den kreativen Prozess des Schreibens nicht stören, brauchen wir in der Überarbeitungsphase den kritischen Blick: Wir müssen Inhalte, Aussagen, Formulierungen usw. auf ihre Stichhaltigkeit überprüfen.
Wir müssen unseren inneren Kritiker aus dem Käfig holen, in den wir ihn während der Schreibphase eingesperrt haben. Und nun müssen wir mit diesem inneren Kritiker zusammenarbeiten.
2 Was passieren kann, wenn du die Phasen nicht trennst
Wie du im vorangegangen Abschnitt gesehen hast, sind die beiden Phasen Schreiben und Überarbeiten also mit ganz unterschiedlichen Anforderungen und Aufgaben verbunden. Und weil sie so unterschiedlich sind, ist es suboptimal, wenn man diese beiden Phasen im Schreibprozess miteinander vermischt.
Wenn wir zu früh überarbeiten und direkt während des Schreibens immer wieder in die Überarbeitung des gerade Geschriebenen gehen, dann nehmen wir viel zu früh einen kritischen Blick ein. Wir suchen dann immer gleich die Probleme mit unseren Aussagen, die Probleme mit unseren Ideen.
Das kann dazu führen, dass es uns viel schwerer fallen kann, überhaupt erstmal unsere Inhalte aufzuschreiben. Es kann einen im Schreiben ganz schön hemmen und das Schreiben langsam und mühsam machen, wenn das Geschriebene zu früh kritisch hinterfragt wird.
Wenn wir gedanklich schon im “Überarbeitungsmodus” sind, obwohl wir eigentlich gerade im “Schreibmodus” sein sollten, dann kann es uns außerdem viel schwerer fallen, kreativ zu sein und Ideen zu entwickeln. Wir sehen dann Probleme in unseren Ideen, bevor wir überhaupt die Chance hatten, diese Ideen weiterzuentwickeln und sie reifen zu lassen.
Und auch das Überarbeiten funktioniert nicht gut, wenn wir zu früh damit beginnen wollen. Wenn wir schon während des Schreibens direkt immer wieder überarbeiten, sind wir noch so eng mit unserem Text verbunden, dass es uns schwer fällt, die Perspektive der zukünftigen Leserinnen und Leser einzunehmen. Wir können die notwendige Distanz zum Text dann noch nicht herstellen und sind eventuell völlig blind für gedankliche Sprünge oder für problematische Aussage.
Besser ist es also, bewusst mit einer Trennung der beiden Phasen Schreiben und Überarbeiten zu arbeiten. Was das konkret für die Arbeit am Promotionsprojekt bedeutet, schauen wir uns im nächsten Abschnitt genauer an.
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3 Die Schreibphase gestalten
Wie du in den vorangegangen Abschnitten gesehen hast, sind die beiden Phasen Schreiben und Überarbeiten mit ziemlich gegensätzlichen Anforderungen verbunden, weshalb es sinnvoll ist, sie zu trennen und nicht zu vermischen.
Wie kann es nun konkret aussehen, wenn man die Phasen Schreiben und Überarbeiten bewusst trennt und diese Trennung ernst nimmt?
3.1 Das Schreibphasen-Mindset
Zunächst ist es sinnvoll, sich mit dem eigenen Mindset zu beschäftigen: Was erwarte ich von mir während der Schreibphase? Was erwarte ich von meinem Text während der Schreibphase? Sind diese Erwartungen angemessen?
Ich lade dich ein, dein Mindset zu reflektieren und zu überlegen, ob es dir hilft oder dich in manchen Aspekten vielleicht eher hemmt.
Ein hilfreiches Mindset für die Schreibphase könnte so aussehen:
“Ich schreibe jetzt erstmal meine Inhalte auf, ich produziere damit Text, den niemand außer mir selbst jemals sehen wird.
Ich kann Chaos zulassen, ich sollte vielleicht sogar Chaos zulassen, denn ich möchte kreativ Dinge ausprobieren. Ich möchte Formulierungen testen, ich möchte Strukturen testen, ich möchte Aussagen testen. Und das ist alles nur für meine Augen bestimmt.
Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich überarbeiten und ich vertraue darauf, dass mein Text durch die Überarbeitung gut wird, dass er vorzeigbar wird.
Aber jetzt, in diesem Moment, muss er das nicht sein.”
Diese Gedanken – dieses Mindset – könntest du mal versuchen zu verinnerlichen. Und immer, wenn du merkst, dass du beim Schreiben in einen kritischen Modus verfällst und du direkt das Geschriebene überarbeiten möchtest, dann kannst du dir dieses Mindset wieder ins Gedächtnis rufen.
3.2 Konkretes Vorgehen in der Schreibphase
Neben dem Schreibphasen-Mindset, das ich oben beschrieben habe, kann dir eine bestimmte Schreibmethode dabei helfen, dich beim Schreiben wirklich nur auf das Schreiben und noch nicht auf das Überarbeiten zu konzentrieren: Das fokussierte Freewriting.
Fokussiertes Freewriting geht so:
Überlege dir das Thema, über das du schreiben möchtest. Es sollte ein relativ kleines Thema sein – zum Beispiel das Thema eines Teilkapitels oder eines Absatzes.
Danach stellst du dir einen Timer auf beispielsweise 10 oder 15 Minuten.
Und dann schreib los. Schreib immer weiter. Folge einfach deinen Gedanken zu dem Thema, das du vorab ausgewählt hast.
Und wenn dein Timer klingelt, schreib deinen aktuellen Gedanken zu Ende und dann stopp!
Ich empfehle dir, dass du dich außerdem während des Schreibens an ein paar Regeln hältst:
Regel #1: Schau nicht zurück.
Beurteile nichts. Überarbeite nichts. Lösche nichts. Schreib einfach immer weiter. Lass auch alle Tippfehler, alle schlechten Formulierungen stehen. Es ist gerade nicht deine Aufgabe, zu korrigieren, sondern einfach nur zu schreiben.
Regel #2: Arbeite mit Platzhaltern.
Wenn du zum Beispiel stockst, weil dir eine Referenz fehlt, dann markiere die Stelle im Text und mach erstmal weiter. (Du kannst beispielsweise in Fettdruck oder farblich hervorgehoben “(Ref)“ hinter den Satz schreiben.)
Wenn du beim Schreiben merkst, dass dir gerade das richtige Wort fehlt, dann markiere die Stelle im Text und mach erstmal weiter. (Ich schreibe in solchen Fällen einfach ein paar Fragezeichen in den Text.)
Wenn du dich zwischen mehreren Wörtern nicht entscheiden kannst und du dir nicht sicher bist, welches besser passt, dann schreib einfach alle Varianten auf (Wort1/Wort2/Wort3) und mach erstmal weiter.
Wie du siehst, ist das Prinzip ganz einfach: Konzentriere dich völlig darauf, deine Inhalte zu dem vorab gewählten Thema aufzuschreiben und halte dich nicht mit Kleinigkeiten auf.
Indem du dir die Textstellen, bei denen du noch etwas überprüfen oder ergänzen möchtest oder bei denen dich nicht zwischen mehreren Wörtern entscheiden konntest, markierst, kannst du mit gutem Gewissen weiterschreiben.
Du kannst für dich das fokussierte Freewriting gerne mal ausprobieren, wenn dir diese Methode zusagt.
Aber auch, wenn es nicht so dein Ding ist, mit einem Timer zu arbeiten, dann könntest du mal bewusst beim Schreiben darauf achten, deinen Schreibfluss möglichst wenig zu unterbrechen, um deinen Gedanken gar nicht erst die Chance zu geben, in einen kritischen Überarbeitungsmodus zu verfallen.😉
4 Der Übergang: Von der Schreibphase in die Überarbeitungsphase
Vielleicht fragst du dich nun, wann dann der Zeitpunkt gekommen ist, den Schalter umzulegen, die Schreibphase hinter dir zu lassen und in die Überarbeitungsphase überzugehen?
Nach meiner Erfahrung ist es empfehlenswert, bewusst in die Überarbeitungsphase zu starten, wenn …
… Klarheit über die wichtigsten Inhalte (relevante Forschungsliteratur und eigene Forschungsergebnisse) besteht und
… eine Rohfassung des Textes vorliegt,
in der mindestens die wichtigsten Inhalte schriftlich festgehalten sind,
die überwiegend aus zusammenhängendem Text besteht, aber evt. hier und da noch ein paar Stichpunkte enthält,
in der einige Referenzen eingearbeitet sind, aber noch nicht alle Fachtexte, die in der Arbeit genannt werden sollten,
in der einige Sätze schon präzise ausdrücken, was gesagt werden soll, aber viele andere vermutlich noch nicht.
Damit will ich sagen: deine Rohfassung darf noch sehr roh sein, aber die wichtigsten Inhalte sollten bereits aufgeschrieben sein und damit die Grundlage des Textes geschaffen sein.
Wie genau die Schreib- und Überarbeitungsphase ineinander übergehen, hängt natürlich auch davon ab, was für einen wissenschaftlichen Text du schreibst:
Bei einem (kurzen) Paper möchtest du vielleicht erstmal eine Rohfassung des gesamten Texts anfertigen, bevor du in den ersten Überarbeitungsdurchgang startest.
Bei einer Monografie wirst du vielleicht stattdessen eher kapitelweise vorgehen wollen und nicht erst eine komplette erste Version der gesamten Arbeit schreiben, bevor du das erste Mal überarbeitest. Aber auch, wenn du nicht zuerst eine komplette Rohfassung der gesamten Arbeit schreibst, möchte ich dich ermutigen, erst dann einzelne Kapitel zu überarbeiten, wenn du eine gewisse Vorstellung davon hast, was in allen Kapiteln deiner Arbeit stehen wird.
Die verschiedenen Kapitel einer Dissertation stehen nämlich miteinander in Verbindung und daher kannst du erst dann einzelne Teile zielführend überarbeiten, wenn einigermaßen Klarheit darüber besteht, was in den anderen Teilen stehen wird.
(In diesem Beitrag zur Struktur wissenschaftlicher Arbeiten erläutere ich ausführlich, wie die Teile einer Dissertation miteinander in Verbindung stehen.)
5 Die Überarbeitungsphase gestalten
Du weißt nun also, was Inhalt deiner wissenschaftlichen Arbeit sein wird und hast bereits eine Rohfassung – eine erste Version – deiner Arbeit geschrieben. Nun kannst du in die Überarbeitungsphase übergehen!
5.1 Zuallererst: Abstand gewinnen
Wie du bei den Anforderungen in der Überarbeitungsphase schon gesehen hast, ist es ungemein wichtig, eine gewisse Distanz zum eigenen Text aufzubauen.
Diese Distanz kannst du gewinnen, indem du beispielsweise etwas Zeit verstreichen lässt zwischen dem Schreiben und dem Überarbeiten. Du kannst deinen Text bewusst ein paar Tage oder vielleicht sogar ein/zwei Wochen (je nach eigenem Zeitplan und Deadline) liegen lassen und dich erstmal nicht mehr damit beschäftigen. Nach dieser Zeit wirst du mit einem frischeren Blick auf deinen Text schauen können.
Du kannst außerdem versuchen, deinen Text für dich selbst zu verfremden und damit etwas mehr Abstand zu gewinnen:
Du könntest ihn zum Beispiel ausdrucken und den ersten Überarbeitungsdurchgang in Papierform absolvieren.
Du könntest auch deine Schriftart so umstellen, sodass der Text anders und für dich damit fremder aussieht.
Du könntest die Schriftgröße etwas ändern, sodass sich die Zeilen verschieben und du nicht mehr genau weißt, was wo steht.
Indem du deinen Text für dich selbst fremder machst, fällt es dir vielleicht leichter, ihn von außen zu betrachten.
Nicht mehr als Schreiber*in. Ab jetzt aus der Perspektive der Adressaten.👀
5.2 Das Überarbeitungsphasen-Mindset
Wenn du durch den zeitlichen Abstand und/oder die Verfremdung des Textes Distanz zu deinem eigenen Text gewonnen hast, dann kannst du dich bewusst mit deinem Überarbeitungsphasen-Mindset vertraut machen. Das Schreibphasen-Mindset, das ich oben beschrieben habe, kannst du nun bewusst ablegen und dich stattdessen mit einem Mindset vertraut machen, das den Anforderungen der Überarbeitungsphase gerecht wird. So ein Mindset könnte wie folgt aussehen:
“Ich nehme die Perspektive der zukünftigen Leser*innen ein. Mein Job ist es, daran zu arbeiten, meinen zukünftigen Leser*innen den besten Service zu bieten. Ich möchte es ihnen so einfach wie möglich machen, meine Botschaft zu verstehen.
Und dafür hole ich mir meinen inneren Kritiker zur Hilfe: Ich hinterfrage meine Aussagen, ich überprüfe sie, ich schaue kritisch auf meine Inhalte, schaue kritisch auf meine Formulierungen.”
Wenn du dann Distanz zu deinem eigenen Text aufgebaut hast und dein Überarbeitungsphasen-Mindset verinnerlicht hast, dann kann es mit der Überarbeitung losgehen.
5.3 Konkretes Vorgehen in der Überarbeitungsphase
Ein wichtiger Grundsatz für das konkrete Vorgehen in der Überarbeitungsphase lautet HOC vor LOC. Mit diesen Abkürzungen ist gemeint: Higher Order Concerns vor Lower Order Concerns.
Zu den HOCs zählen Inhalt, Struktur deines Textes, der 'rote Faden' bzw. die Argumentationslinie.
Die LOCs umfassen Ausdruck, Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.
Für deine Überarbeitung bedeutet das konkret, dass Inhalt und Struktur deiner einzelnen Kapitel und der gesamten Arbeit weitestgehend feststehen sollten, bevor du dich mit der sprachlichen Überarbeitung, den stilistischen Feinheiten, Rechtschreibung und Grammatik auseinandersetzt.
Es macht nämlich keinen Sinn, beispielsweise viel Zeit in die Formulierung eleganter Überleitungen zu investieren, wenn du deine Absätze später noch zwischen verschiedenen Kapiteln hin- und herschiebst. Genauso lohnt sich Korrekturlesen noch nicht, wenn du eventuell noch ganze Textstellen ergänzt oder Sätze umformulierst.
Also, arbeite dich beim Überarbeiten besser durch die Ebenen von den großen Dingen ausgehend wie der Struktur und dem roten Faden hin zu den sprachlichen Feinheiten und Formalia.
(Mehr zur Überarbeitungsphase kannst du in diesem Blogartikel nachlesen.)
Faden verloren? Total verzettelt?
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6 Fazit
Kurz und knapp zusammengefasst: Schreiben und Überarbeiten sind nun einmal zwei paar Schuhe.
Die Phasen sind mit so unterschiedlichen Anforderungen verbunden, dass du sie unbedingt trennen solltest, um sowohl eine gut laufende Schreibphase als auch eine zielführende Überarbeitungsphase für dich gestalten zu können.
Zum Ende des Blogartikels möchte ich dich einladen, mal zu reflektieren, wie du bislang vorgegangen bist:
Trennst du schon bewusst?
Oder schleicht sich in deine Schreibphase hier und da schon die Überarbeitung rein?
Kannst du es akzeptieren, erstmal eine (vielleicht chaotische) Rohfassung zu verfassen und sie nicht direkt zu überarbeiten?
Gibst du deinen Ideen die Chance, zu reifen, sich weiterzuentwickeln und kannst sie dafür auch mal “unfertig” stehen lassen?
Schaffst du es, für die Überarbeitung Distanz zum Text aufzubauen und die Perspektive deiner zukünftigen Leser*innen einzunehmen?
Welches Mindset ist bei dir vorherrschend im Schreibprozess?
Wo auch immer, du bei dir noch Optimierungspotenzial siehst: Ich hoffe, der Blogartikel hat dir ein paar Impulse dafür gegeben.🙂